Freitag, 23. Dezember 2011

Katholische Fundamentalisten vs. Grüßaugust - die Kehraus-Theorie

Unser oberster Staatsmann trat endlich vor das Mikrofon. Wir wissen jetzt, er hat Verständnis für die Fragen der Menschen und er hat sich nie in seiner politischen Arbeit von seinen reichen Freunden, die ihm so viel spendierten, beeinflussen lassen. Zia, was soll man da noch sagen? Ich glaube jetzt auch wieder an den Weihnachtsmann. Eigentlich hat es gar keinen Wert, sich mit diesem Herrn zu beschäftigen. Die FTD schrieb „Wulff vergibt sich seine Sünden“ damit ist auch alles gesagt. Viel wichtiger ist die Frage, warum kommt das gerade jetzt hoch und noch wichtiger, warum ausgerechnet befeuert von der Springerpresse? Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu. Ausgerechnet die, die die Regierung und ihre Kombattanten wie Marionetten an der kurzen Leine führen, die die ihnen geholfen haben dorthin zu kommen, wo sie jetzt sind. Die enthüllen jetzt alte Geschichten? Das wäre das erste mal, dass diese Medien die Redlichkeit verteidigen wollen. Welche Strategie steckt dahinter?

Ich glaube, der Beweggrund ist eine Disziplinierungsmaßnahme. Gerichtet zum einen an Wulff selbst und zum anderen an weitere Unionspolitiker als Warnung, nicht aus der Reihe zu tanzen. Die Eurorettung läuft demnächst in eine weitere heiße Phase und man will keine Abweichler mehr. Jeder soll wissen, was ihm blüht, denn jeder hat seine Leichen im Keller und wenn es sein muss, wird sie sogar von der befreundeten Kampfpresse ausgraben. Dass dann die anderen Medien nachziehen, ist Ehrensache.
 
Jetzt zur Disziplinierung Wulffs
Seine Verfehlung war beim Besuch des Papstes im September. Dabei ist er den einflussreichen katholischen Fundamentalisten in den eigenen Reihen zu weit gegangen. Seine offene Kritik am Papst und der Kirche zur Haltung von Emanzipation, Scheidung und Ökumene: 

„Wie barmherzig geht sie mit Brüchen in den Lebensgeschichten von Menschen um? Wie mit den Brüchen in ihrer eigenen Geschichte und mit dem Fehlverhalten von Amtsträgern? Welchen Platz haben Laien neben Priestern, Frauen neben Männern? Was tut die Kirche, um ihre eigene Spaltung in katholisch, evangelisch und orthodox zu überwinden?“
Ein weiterer Grund war sicher auch die bereits 2010 gemachte Aussage, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Das alles brachte das Fass für die deutsche „Tea Party“ zum überlaufen und eine günstige Gelegenheit, um Herrn Wulff in die Schranken zu weisen, wurde gesucht. Jetzt da die FDP abschmiert und Herr Rösler erheblich wankt, ist diese Zeit gekommen. Mehr Druck in Richtung FDP würde die Koalition nicht überleben. Mit der Skandalisierung Wulffs nimmt man die FDP aus der Schusslinie. 

Ein Nebenprodukt dieser Strategie könnte auch darin liegen, dass man das misslungene Come Back Guttenbergs ins positive zu drehen sucht. Also dahingehend, dass man der Bevölkerung einen biederen Politiker vorführt und damit suggeriert, ein Plagiator ist allemal besser als einer, der sich großzügig beschenken läßt. Ein Baron und Millionär hat so was nicht nötig.
 
Soweit die Kehraus-Theorie. Man wird sehen, wie die ganze Angelegenheit nach Weihnachten fortgesetzt wird. Es bleibt spannend und wir bleiben am Ball.

Kommentare:

  1. An einen Zufall mag man in der Tat kaum glauben. Wie bei zu Guttenberg stellt sich auch bei Wulff die Frage: Kann man so blöd wirklich sein?
    Na ja. Größenwahn und Risiko-Unterschätzung sind zumindest nicht ganz auszuschließen. Was in jedem Fall hier über Wochen funktioniert, ist die Ablenkung von wesentlich wichtigeren Themen wie den Euro-Rettungsmaßnahmen. Und hat also da jemand ein paar Fallen gestellt, die man zum beliebigen Zeitpunkt zuschnappen lassen kann?

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  2. Die ganze Angelegenheit scheint wohl wirklich einen seltsamen Beigeschmack zu haben. Natürlich ist vieles hinsichtlich der Hintergründe mangels Insiderwissen nur reine Spekulation, aber etwas "komisch" ist es schon.

    Das es einzig und allein an seiner Papstkritik liegt, dass man ihn loswerden möchte, glaube ich nicht. Möglicherweise ist der ehemalige niedersächsische Mini-Präsi ja einigen einflussreichen Herrschaften irgendwie zu "gemäßigt" und erfüllt nicht ganz die Erwartungen, die unsere "Leistungseliten" eigentlich in ihn gesetzt haben.

    Eventuell soll uns auch durch die Wulffs´sche Skandalisierung nicht allein nur das Baron-Comeback schmackhaft gemacht werden, sondern auch noch der aktive Einstieg von Meister Henkel in die Politik oder man möchte gar die Gründung einer "echten" deutschen Tea Party medial helfend vorbereiten.

    Aber auch das ist alles nur spekulativ. Was am Ende dabei rauskommen wird - und ich vermute mal nichts Gutes - werden wir zur gegebenen Zeit schon noch sehen.

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